Soziale Stadtentwicklung in Sachsen durch Quartiersentwicklung mit Gemeinwesenarbeit
Soziale Stadtentwicklung erkennt an, dass Stadterneuerungsprozesse weit über baulich-räumliche Fragen hinausgehen und immer auch eine soziale Dimension besitzen. Städte und Quartiere befinden sich in einem stetigen Wandel und stehen vor der Aufgabe, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, Teilhabe zu ermöglichen und auf unterschiedliche soziale Herausforderungen zu reagieren. Dafür braucht es die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen, Ämter und lokaler Akteure.
Sachsen verfolgt dabei mit der ESF Plus-Richtlinie Nachhaltige soziale Stadtentwicklung (2021–2027) einen besonderen Ansatz, indem es auf zusammenhängende Gebietsstrukturen statt auf isolierte Einzelmaßnahmen setzt. Es werden mit ESF Plus soziale Vorhaben unterstützt, um benachteiligte Stadtteile gezielt zu stärken und langfristige, koordinierte Quartiersentwicklungsprozesse anzustoßen. Charakteristisch für Sachsen ist dabei die integrierter Stadtentwicklung mit sozialen Handlungsansätzen auf Quartiersebene. Damit werden räumliche, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen gemeinsam betrachtet und gestaltet.
Förderung nachhaltiger sozialer Stadtentwicklung
Das Sächsische Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung (SMIL) unterstützt sächsische Städte mit Landesmitteln und mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) bei der sozialen Entwicklung ausgewählter Stadtgebiete. Im Förderzeitraum 2021-2027 profitieren 26 sächsische Kommunen von der Förderung. Grundlage ist jeweils ein gebietsbezogenes integriertes Handlungskonzept (GIHK), das gemeinsam mit lokalen Akteuren und Bewohnerinnen und Bewohnern entwickelt wurde. Darin werden Analysen, Ziele und konkrete Vorhaben in den Handlungsfeldern Informelle Kinder- und Jugendbildung, Soziale Integration sowie Wirtschaft im Quartier festgelegt. Ergänzend können sogenannte begleitende Maßnahmen für Koordination, Wissenstransfer und Unterstützung der Projektträger umgesetzt werden.
Ziel der Förderung ist es, die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen, Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt sowie von sozialer Ausgrenzung oder Isolation betroffenen beziehungsweise bedrohten Personen nachhaltig zu verbessern. Auf diese Weise werden Chancengleichheit, gesellschaftliche Teilhabe und sozialer Zusammenhalt direkt vor Ort gestärkt.
Gemeinwesenarbeit als Motor nachhaltiger Entwicklung
Einen wesentlichen Beitrag hierzu leistet die Gemeinwesenarbeit. Als zentraler Baustein sozialer und nachhaltiger Stadtentwicklung knüpft sie unmittelbar an die Leitideen der Neuen Leipzig-Charta an. Im Mittelpunkt steht die aktive Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner an Planungs- und Entscheidungsprozessen im Quartier.
Quartiersentwicklung – Soziale Stadtentwicklung im Kleinen
Quartiersentwicklung bedeutet, soziale Stadtentwicklung unmittelbar im Lebensumfeld der Menschen umzusetzen. Sie ist eine interdisziplinäre Gemeinschaftsaufgabe, in der sich politische, ökologische, kulturelle, soziale und ökonomische Qualitäten einer Stadt konkret zeigen.
Quartiere sind dabei:
- Lebenswerte Orte, die soziale Daseinsvorsorge und Lebensqualität als wichtige Standortfaktoren mitdenken.
- Inklusive Orte, die demografischen Wandel barrierefrei und altersgerecht gestalten.
- Erprobungsorte, an denen soziale, städtebauliche und technische Innovationen entstehen können.
- Wohnorte, die den unterschiedlichen Bedürfnissen vielfältiger Bevölkerungsgruppen gerecht werden.
- Identifikationsorte, an denen Mitgestaltung und Engagement Gemeinschaft stiften und Zugehörigkeit fördern.
Unterstützung durch die Servicestelle QuGe
Die Servicestelle Quartiersentwicklung und Gemeinwesenarbeit (QuGe) begleitet Kommunen, Träger und lokale Akteure bei der Umsetzung dieses innovativen Ansatzes. Sie informiert, berät und vernetzt rund um die Themen Quartiersentwicklung und Gemeinwesenarbeit. Darüber hinaus unterstützt sie auch Kommunen und Initiativen, die unabhängig von einer ESF Plus-Förderung soziale Stadtentwicklungsprozesse aufbauen und weiterentwickeln möchten.